Peinlichkeit und Recht und Freiheit…

Peinlichkeit und Recht und Freiheit…

Fast schon erwartungskonform fiel die Reaktion der SPD auf einen erneuten Brandbrief aus. Doch anders als beim letzten Mal wurde dieser, in fast schon freudiger Erwartung, an Frau Dr. Giffey übermittelt – ihres Zeichens Familienministerin zu diesem Zeitpunkt und Fabrikatorin des Starken-Familien-Gesetzes.

Als Bürger dieses sozialen Entwicklungslandes, sollte man sich eigentlich über eine Spezialdemokratie freuen, die auf eine langanhaltende soziale Kälte, ausschließlich mit heißer Luft antwortet und so ein wohlig warmes Gefühl vermittelt (fast schon wie warmweiße LED Leuchten). Frei nach dem Motto: „wir ziehen unsere Wähler so schnell über den Tisch, dass sie die Reibungshitze als Nestwärme empfinden“ und wer dann noch immer friert, ist ein bedauerlicher Einzelfall, der leider nicht berücksichtigt werden kann, um das große Ganze zu schützen. Schließlich steht die SPD nicht für den Einzelnen, sie steht für Viele (so Martin Schulz).

Ein Bundesbürger muss sich also auch mal opfern können, wenn ich das richtig verstehe. Aber damit die SPD gar nicht erst in die Gefahr gerät, Verwirrung mit kryptischen Aussagen zu schaffen, reagiert man einfach überhaupt nicht auf den Pöbel. Und so lange man noch ein wenig von der 5% Hürde entfernt herumstagniert, warum soll man dann auch dieses Verhalten ändern. Letztendlich gibt es ja noch genug Wähler und einen intellektuellen Schutzschild, an dem die geschaffene Armut einfach so abperlt.

Ein gutes Beispiel dafür sind die Jungs von Abgeordnetenwatch. So hab ich mich erdreistet, einige verschachtelte Fragen an Herrn Heil zu richten. Nun man fürchtete offenbar, dass die gestellten Fragen Herrn Heil in Bedrängnis bringen würden und lehnte die Veröffentlichung ab. Man bat dann per E-Mail, nur eine Frage zu stellen und den Text ein wenig objektiver zu gestalten. So funktionieren also heute Meinungsfreiheit und Demokratie.

Aber wen wundert es, wo es doch heutzutage so schön einfach ist, sich auf dem Gesichtsbuch über die Übervorteilung von Zuwanderern durch die Sozialbehörden aufzuregen und sich selbst eine Portion Gutes Gefühl zu gönnen, indem man seinen Frust mit dem Satzrest abschließt: „…aber Deutsche müssen auf der Straße schlafen und hungern…“, oder besser noch: „…da gebe ich mein Geld lieber an einen Deutschen, der Nichts hat…“

Wenn ich von jedem vor sich her heuchelnden Zwitscherer, bei dem ich solche oder so ähnliche Sätze gelesen habe, nur einen verdammten Euro bekommen hätte, ich hätte davon problemlos 3 Monate überleben können. Ich müsste nicht gegen die Krankenkasse und das Jobcenter klagen, damit ich lebenswichtige Medikamente bekomme und könnte meine Tochter öfter sehen. So verwundert es auch nicht weiter, dass bei einer Spendenaktion genau 0,- Euro zu Stande gekommen sind. Wow, was für ein großartiges Volk wir doch sind. Echauffieren uns über die Ungerechtigkeit in Deutschland über die sozialen Medien, wenn es dann aber wirklich mal jemanden gibt, der Hilfe braucht, dann scheiß einfach drauf: „…was geht mich das an…“. Wie Viele wissen eigentlich, wer so alles von euch mit von mir selbst- oder mitentwickelter Software herum läuft?

Leider ist das an dieser Stelle nur Zeitverschwendung und führt zu gar nichts. Ich wünsche euch eine schöne Woche. Und nicht vergessen, wir sind in Deutschland. Also besser, keine Fachkraft sein, keine Familie gründen, keine Kinder in die Welt setzen, nicht krank werden (und erst recht keinen Euro 4 Diesel fahren), dann ist Chance groß, die Woche unbeschadet zu überstehen.

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