Der Anfang vom Ende

Der Anfang vom Ende

Dass man in der Schwalm die Dinge nicht unbedingt mit Vernunft, Sachverstand und Nachhaltigkeit regelt, zeigt sich sehr schnell, wenn man nur genauer hinsieht. Gerade die Straßenbauwut hat es dem Magistrat offenbar angetan. Für einen Westfalen, der es aus seiner Heimat gewohnt ist, dass aufgerissene Straßen auch irgendwann wieder zugemacht werden…

…und dann befahrbar sind oder Baustellen generell dort auftauchen, wo sie auch benötigt werden, wirken die Baumaßnahmen des jährlichen Schwälmer Baustellenbingos zunächst sehr befremdlich.

So wurde zum Beispiel ein Straßenabschnitt komplett saniert, nur um kurze Zeit später an der sanierten Stelle einen Kreisverkehr in die Landschaft zu improvisieren. Und hätte man von Anfang an dabei auch bedacht, dass auf Deutschlands Straßen hin und wieder mal ein LKW fährt, wäre der Kreisverkehr nicht schon vor seiner eigentlichen Eröffnung sanierungsbedürftig gewesen. Auch saniert man gerne mal Straßen, die es nicht so dringend nötig haben, wie Andere; nur um dort einen gefährlichen Radweg zu improvisieren und einen Gehsteig drastisch zu verkleinern. Hoffentlich hat an dieser Stelle nicht nur ein einziger Anwohner gewohnt, der diese Steuergeldverschwendung jetzt auch noch teilfinanzieren muss…

Das genau diese Art von Professionalität und Baukunst, einmal mein finanzielles Ende einleiten würde, hätte ich zum damaligen Zeitpunkt nie vermutet. So hatte ich damals ein Büro auf dem berühmten Schwalmberg angemietet. Ich hatte mich noch nicht zu Ende eingerichtet, da rollten auch schon die Bagger an. Die damals gefühlt völlig intakte und vor allem einzige Zufahrtsstraße zu meinem Büro, die zudem noch Steil einen Berg hoch führte, wurde kurzerhand der Länge nach aufgerissen. Leider hatte man zwei einfache Dinge nicht bedacht, nämlich die Einbahnstraße von der anderen Seite befahrbar zu machen und das es im Winter so kalt ist, dass man nicht weiter bauen kann.

Lange Rede, kurzer Sinn. Die Stadtverwaltung interessierte es einen feuchten Dreck, dass Kunden und Lieferanten mich nicht mehr anfahren konnten, was ziemlich unpraktisch ist, wenn man auf Kundenverkehr und Ware angewiesen ist. Eine Anfrage diesbezüglich, wurde dann mit einer dummdreisten „Selber-Schuld-Antwort“ quittiert:


Hier klicken, zum vergrößern.

Ein TNT Fahrer schoß zudem noch den Vogel ab, als er bestellte Palettenware einfach auf der Straße unterhalb des Berges abstellte. Als ich unten war, waren die teuren Computer verschwunden und meine Aufträge kaputt. Da mir die Stadt durch ihre Baustelle den Umsatz auf Null gestellt hatte, blieb mir keine andere Wahl, als mich an das Jobcenter zu wenden. Schließlich musste ich irgendwie überleben, also beantragte ich eine Aufstockung.

Ich dachte mir zunächst auch nichts dabei, als das Jobcenter die gesamten Eingangs- und Ausgangsrechnungen des Unternehmens haben wollte. Man wollte ja damals feststellen, ob ich wirklich wirklich wirklich hilfebedürftig bin. Außerdem sollte ich jeden eingehenden Auftrag sofort an das Jobcenter melden und mitteilen, ob und wann Gewinne erzielt worden sind. Soweit kein Problem, doch hatte ich die Rechnung ohne die Fraktion „Scheiß-auf-den-Datenschutz-dem-zeigen-wirs“, des Jobcenters Schwalm-Eder gemacht.

Ein größerer Kunde, der einen Folgeauftrag erteilen wollte, hatte sich ein Angebot eingeholt. Da ich auch diese dem Jobcenter vorlegen sollte, bin ich – sauverdammtdämlich wie ich war – dem natürlich nachgekommen. Durch den Auftrag hätte ich sofort von Jobcenter loskommen können, wenn man hier einen weiteren Monat überbrückt hätte. Als ein eifriger Mitarbeiter des Jobcenters das Angebot in die Finger bekam, kam er auf eine findige Idee. Er rief den Kunden an und unterhielt sich ein wenig mit ihm.

Er teilte dem Kunden zunächst einmal mit, dass ich abhängig vom Jobcenter und diesem natürlich Rechenschaft schuldig bin. Daher müsse auch der Kunde sofort melden, wenn er eine Zahlung an mich durchführt, damit es nicht – und jetzt gut aufpassen – ZU EINEM SOZIALBETRUG kommen würde. Wow! Glanzleistung.

Ich denke ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich mir mit dem Angebot und dem Stammkundenblatt danach den Arsch abputzen konnte. Aber es kam noch dicker. Für einen kleinen Kontrollgang wurden dann gleich alle Rechnungskunden angerufen, um zu erfahren, ob da nicht noch was zu holen wäre.

Unabhängig davon, dass man hier eklatant gegen den Datenschutz verstoßen hat, war mein Unternehmen und mein Ruf damit völlig erledigt. Noch Jahre später wollte man mit einem vermeindlichen „Sozialbetrüger“, dem sogar das Jobcenter hinterhertelefonieren muss, nichts zu tun haben. Selbstverständlich wollte ich die Sache nicht einfach auf mir sitzen lassen und konfrontierte damit den stellvertretenden Leiter und die Teamleitung des Jobcenters. Dort sah man natürlich alles anders. Der Kollege habe richtig reagiert. Das Jobcenter ist berechtigt ARBEITGEBER anzurufen. Dumm nur, dass ein Kunde kein ARBEITGEBER ist. Aber auch diese Tatsache wurde vom stellvertretenden Leiter des Jobcenters einfach umdeklariert. Als ich ihn darauf ansprach, dass er mit seiner kleinen hochgradig illegalen Aktion einen Sachschaden von 25.000,- Euro verursacht hatte, machte er sich darüber noch lustig und sagte wortwörtlich: „wovon träumen Sie denn nachts…“

Der Gesamtschaden, inkl. der Folgen lag im mittleren 6-stelligen Bereich und ich war plötzlich obdachlos, denn zahlen wollte das Jobcenter nach meiner Beschwerde plötzlich auch nicht mehr. Mit Angeboten über 25.000,- Euro hätte ich schließlich genug Aussichten zu überleben. Wie gut, dass ich damals noch gesund genug war, um mich wieder auf meine Füße zu stellen und etwas Neues zu beginnen. Für den gewaltigen Schaden, den das Jobcenter einfach mal so verursacht hatte, kam im übrigen bis heute keiner auf und eine Klage gegen den Laden, der es mit dem Datenschutz nicht so genau nimmt, konnte ich mir nicht leisten – ich hatte dringlichere Probleme.

Daher gilt für das Jobcenter: sind sie auch noch so freundlich vorne herum, immer mit Zeugen (am besten mehrere) und Rechtsverstöße am Besten extern und niemals direkt mit den „helfenden Mitarbeitern“ klären.

Sozialskandal made in Germany

Art. 20 GG (1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden. (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Kommentare sind geschlossen.